Feste im Christentum in Berlin

Bei christlichen Festen steht Jesus Christus im Mittelpunkt. Während auf dem Weihnachtsfest die Freude über die Geburt des Gottessohnes zum Ausdruck kommt, wird zu Ostern dessen Auferstehung und damit der Sieg über den Tod gefeiert. Weitere Feste im Kirchenjahr sind Himmelfahrt, Pfingsten und das Erntedankfest und im katholischen oder orthodoxen Raum: Marienfeste und Gedenktage für Heilige. Abhängig von Region und christlicher Tradition finden wir zahlreiche volkstümlichen Bräuche, begleitet von Geschenken und Spendenaktionen. Vom deutschen Krippenspiel und Ostereiersuchen bis hin zu Prozessionen in Südamerika sowie ausgelassenen Tänzen in Osteuropa und Afrika zeigt sich die Bandbreite christlicher Festkultur. Christliche Kalender folgen dem gregorianischen oder dem julianischen System, das Jahr 0 beginnt mit Jesu Geburt, auch wenn diese historisch auf 4 n. Chr. fällt.

Feiertage im Christentum im Jahreslauf

Serbisch-Orthodoxe Weihnachten in Berlin

Januar 2026

Eine Münze im Brot bringt Glück

Es ist der 7. Januar 2026. Um 10.00 Uhr beginnt der Weihnachtsgottesdienst in der Serbisch-Orthodoxen Kirche in der Ruppiner Straße in Berlin-Wedding. Frauen, Männer und Kinder treten aus dem verschneiten Berliner Winter in den warmen Kirchenraum. Von der Empore erklingen feierliche Gesänge, getragen von den klaren Stimmen eines unsichtbaren Chores. Weihrauch liegt in der Luft, als der Priester aus der Ikonostase tritt und die Gemeinde segnet.

Als sich im Mittelgang eine lange Schlange bildet, da jetzt alle zum Altar gehen, um sich vom Priester ein Stück des gesegneten Brotes abzuholen, blicke ich nach rechts. Da sitzt eine junge Frau mit ihren beiden Kindern, etwa zehn und zwölf Jahre alt. Sie halten schmale Kerzen in den Händen. Ich wünsche der Frau „Frohe Weihnachten“ und frage nach dem serbischen Gruß. „Hristos se rodi!“, sagt sie lächelnd – „Christus ist geboren!“. Die Antwort darauf ist: „Vaistinu se rodi!“, „Wahrlich, er ist geboren!“

Wir kommen ins Gespräch. Ihre Familie feiert Weihnachten zum zweiten Mal im Jahr. Die Kinder wurden dafür von der Schule freigestellt, problemlos, wie sie erzählt. Geschenke gibt es ebenfalls zweimal, allerdings kleiner als in Deutschland. Der Weihnachtstag beginnt früh: um sechs Uhr morgens mit einem gemeinsamen Frühstück. Höhepunkt ist ein rundes Weihnachtsbrot, die Česnica, in dem eine Münze verborgen ist. Wer sie findet, hat Glück im neuen Jahr – muss aber sofort eine Arbeit erledigen, damit der Wohlstand auch verdient ist.

Die Frau erinnert sich an ihre Kindheit in einem kleinen serbischen Dorf in Bosnien, 200 Kilometer von Sarajevo entfernt. Ihre Großmutter stand an Weihnachten schon um vier Uhr auf, backte Brot und weckte die Familie im Morgengrauen. Im Haus lag Stroh, darin versteckt Süßigkeiten für die Kinder. Mittags gab es Spanferkel, am Nachmittag besuchte man die Gräber der Verstorbenen.

Heute hat ihr Mann die Münze gefunden. „Meine Oma wusste immer genau, wo sie ist“, sagt sie lachend. „Sie hat das Brot so verteilt, dass immer ein Kind die Münze bekam.“ Und was musste ihr Mann tun? „Ich habe ihm gesagt, er soll erst einmal putzen.“

Inzwischen ist die Schlange kürzer geworden. Fast alle haben ein Stück Brot und den Segen des Priesters empfangen. Die Menschen begrüßen sich herzlich, umarmen sich und wünschen einander immer wieder: „Hristos se rodi.“oder “Srećan Božić“, „Frohe Weihnachten!“

Nach dem Gottesdienst gehe auch ich nach vorn und sehe: Anstelle eines Tannenbaums steht vor dem Altar ein riesiger Eichenzweig, der Badnjak. Auf den Boden wurde Heu und Stroh verteilt, dazu Äpfel, Orangen, Nüsse und ein Blumentopf mit grünen Weizensprossen. Und genau in der Mitte steht das runde kuchenförmige Weihnachtsbrot, die Česnica. Wer wird wohl heute noch die Münze in diesem Brot finden?

Meskelfest in der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche in Berlin

September 2022


Trommeltanz um das Heilige Feuer

Jedes Jahr am 27. September kommen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba tausende vom Menschen zusammen, um das Meskelfest zum Gedenken an die Kreuzauffindung Jesu zu feiern. Es gilt als eines der größten Feste Afrikas. Auch die äthiopischen Diasporagemeinden in Deutschland begehen dieses Fest.

So wurde im Garten der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo- Kirche in Berlin Lankwitz eine Pyramide aus Hölzern und Grasbüscheln errichtet, eingehüllt in ein lilafarbenes Samttuch und geschmückt mit Gräsern und Blumen. Am Nachmittag haben sich zahlreiche Frauen in weißen Baumwollkleidern und Männer in bunten Gewändern auf Bänken versammelt und lauschen den Predigten und Ansagen königlich gekleideter Priester und Diakone. Als die Pyramide angezündet wird, laufen Kinder aufgeregt umher und einige Frauen und Männer stehen auf und beginnen zu trommeln und zu singen. Die Flammen schlagen immer höher, während sich die singenden Frauen und Männer zum Rhythmus der Trommel tanzend um das Feuer bewegen.

Die brennende Pyramide soll an folgende Legende erinnern: Einst hatte die griechische Kaiserin Helena einen Traum, in dem ihr offenbart wurde, wo das Kreuz von Jesus liegt. Daraufhin reiste sie nach Jerusalem und zündete zusammen mit Weihrauch ein Feuer an. Als der Rauch aufstieg und seinen Weg nahm, folgte sie diesem und kam zu der Stelle, an dem das Kreuz lag.


Während das Feuer allmählich kleiner wird, teilen einige Frauen das Meskel-Essen aus, auch dieses erinnert an die Kreuzauffindung und besteht aus dem gesäuerten Brot Injera, Grünkohl, genannt Kitfo, roh serviertem Rinderhackfleisch mit dem Namen Libs, Tibis, gekochten Rinderfleischwürfeln und Ayib, einem speziellen Frischkäse. Am Ende gehen einige Kinder zur Feuerstelle und lassen sich von einem Diakon ein Aschekreuz auf die Stirn malen. Das soll Glück und Segen bringen.

FAQ | Feste im Christentum

Was ist der wichtigste Feiertag im Christentum?

Der wichtigste Feiertag im Christentum ist Ostern, da hier die Auferstehung von Jesus Christus am 3. Tag nach seinem Tod am Kreuz begangen wird. Die Auferstehung Christi spielt vor allem bei den Orthodoxen Christen eine große Rolle, da sie den Sieg Gottes über den Tod symbolisiert.

Welche Bedeutung hat Weihnachten?

Zu Weihnachten wird die Geburt von Jesus gefeiert.

Feiern alle Christen Weihnachten?

Ja, mit Ausnahme der Zeugen Jehovas, die weder christliche Feste noch Geburtstage, auch nicht den Geburtstag von Jesus begehen. Grund: Es ist nicht in der Bibel vermerkt.