Bei christlichen Festen steht Jesus Christus im Mittelpunkt. Während auf dem Weihnachtsfest die Freude über die Geburt des Gottessohnes zum Ausdruck kommt, wird zu Ostern dessen Auferstehung und damit der Sieg über den Tod gefeiert. Weitere Feste im Kirchenjahr sind Himmelfahrt, Pfingsten und das Erntedankfest und im katholischen oder orthodoxen Raum: Marienfeste und Gedenktage für Heilige. Abhängig von Region und christlicher Tradition finden wir zahlreiche volkstümlichen Bräuche, begleitet von Geschenken und Spendenaktionen. Vom deutschen Krippenspiel und Ostereiersuchen bis hin zu Prozessionen in Südamerika sowie ausgelassenen Tänzen in Osteuropa und Afrika zeigt sich die Bandbreite christlicher Festkultur. Christliche Kalender folgen dem gregorianischen oder dem julianischen System, das Jahr 0 beginnt mit Jesu Geburt, auch wenn diese historisch auf 4 n. Chr. fällt.
Feiertage im Christentum im Jahreslauf
Mazedonisch-Orthodoxe Ostern in Berlin
April 2026
Tanzen und Ostereierschlagen- Nordmazedonische Ostern in Berlin
Beim Aussteigen an der Busstation Ostdorfer Str. in Lichterfelde Ost empfängt mich festliche Balkan-Musik. Sie kommt vom Gelände der kleinen anliegenden Nordmazedonisch Orthodoxen Kirche: Sveti Kliment Ohridski. Ich gehe den Menschen nach, die durch einen schmalen Weg in ein kirchenähnliches Gebäude strömen. Denn heute, am Sonntag, den 12. April 2026 feiert die nordmazedonische Gemeinde das orthodoxe Osterfest.
„Hristos voskrese – Navistina voskrese“- Christus ist auferstanden – Er ist wahrlich auferstanden
Beim Eintreten schaue ich zuerst in eine kleine Kapelle, die mit zahlreichen Ikonen ausgestattet ist. Der Weihrauchduft liegt noch in der Luft und zeugt vom gerade beendeten Ostergottesdienst, in der die Auferstehung von Christus gefeiert wurde, das wichtigste Fest für orthodoxe Christen. Die hereinkommenden Besucher zünden Kerzen an und beten andächtig vor den Bildern, während draußen laute Musik spielt. Vor einem goldenen Schrein, mit Christus und dem Heiligen Kliment von Ohrid, Schutzpatron von Nordmazedonien, steht ein weinroter Sessel, darauf und daneben Körbe voll gefärbter Ostereier.
Der Musik folgend gelange ich in den Garten, wo Frauen und Kinder sich an den Händen haltend fröhlich im Kreis tanzen. „Frohe Ostern!“ wünsche ich einer Frau, die in einer kleinen Nische verschiedene Devotionalien verkauft. Dann frage ich, wie man das auf Mazedonisch sagt. Sie nimmt einen Zettel und schreibt darauf: “Hristos voskrese“, Christus ist auferstanden! Als ich dies in ihrer Sprache wiederhole, geht ihre Antwort leider in der Musik unter. So schreibt sie einfach weiter: „Navistina voskrese!“, ‚Er ist wahrlich auferstanden‘.
Ohrid ist so schön
Währenddessen zieht ein Duft von gegrilltem Fladenbrot über den Platz, das -gefüllt mit Fleisch, Tomaten, Gurken und eingelegtem Weißkraut, an einem Stand verkauft wird. Unter einem Festzelt haben sich lauter Familien an langen Tischen versammelt, sie essen und trinken und sind in Feierstimmung. So setze ich mich zu einer Frau und ihren Töchtern. Wir wechseln den mazedonischen Ostergruß und kommen ins Gespräch. „Ich komme aus Ohrid,“ erzählt sie mir., „Da ist es so schön. Sie müssen unbedingt einmal dorthin!“ Sie schwärmt von ihrer Heimat dem See und den Stränden. Und in der Tat, die Landschaft am Ohridsee, dem zweitgrößten See des Balkans, sieht auf Bildern bezaubernd aus.
Wessen Ei ganz bleibt, gewinnt
Da stoppt die Musik plötzlich und wird abgelöst von Kinderliedern, während eine Osterhäsin in die Mitte tritt und tanzend Süßigkeiten an die kleinen Gäste verteilt. An unseren Tisch haben sich jetzt immer mehr Angehörige gesellt: Ehemann, Mutter, Vater, Schwestern, Freunde. Es wird erzählt und gelacht. Ich frage, ob man in Nordmazedonien auch Ostereier sucht. „Suchen nicht, aber färben. Jedes Jahr trifft sich die Gemeinde am Samstagabend und bleibt einige Stunden bis in die Osternacht hinein. Dabei machen wir ein Spiel: Jeder schlägt ein Ei an das Ei des Nachbarn. Wessen Schale heil bleibt, gewinnt.“ Da kommt ein Mädchen mit einem Korb voller bunter Ostereier. Die beiden Töchter der Frau nehmen sich jeweils eins und los geht’s. Blitzschnell drücken sie die Eier gegeneinander, eins ist kaputt. Auch ich werde zum Spiel eingeladen, und da meine Schale ganz bleibt, beglückwünscht.
Auch die Band spielt inzwischen wieder. Um einen Mann am Saxophon und einen Sänger hat sich erneut ein Kreis von tanzenden Frauen und Kindern gebildet. Und es werden immer mehr. Frauen, egal welchen Alters, reihen sich ein und tanzen mit. Die Männer allerdings schauen nur zu und klatschen Beifall.
Sveti Kliment Ohridski: Schutzpatron der nordmazedonischen Diaspora in Berlin
Der Heilige Kliment von Ohrid, dem diese Kirche geweiht ist, brachte als Bischof im 9. Jh. den christlichen Glauben ins heutige Nordmazedonien, als das Land noch zum bulgarischen Reich gehörte. Über 50 biblische Texte übersetzte er aus dem Griechischen ins Altbulgarische, der damaligen Volkssprache, und predigte darin, um die christliche Botschaft dem einfachen Volk zugänglich zu machen-trotz Widerstand aus dem Patriarchat in Konstantinopel. Das erinnert an Luther, der die Bibel aus ins Deutsche übersetzte und entgegen dem Willen katholischer Obrigkeit in deutscher Sprache predigte. Heute ist Sveti Kliment Ohridski nicht nur der bedeutendste Heilige und Schutzpatron Nordmazedoniens, der Stadt Ohrid und der Mazedonisch-Orthodoxen Kirche sondern auch der nordmazedonischen Gemeinschaft in Berlin.
Serbisch-Orthodoxe Weihnachten in Berlin
Januar 2026
Eine Münze im Brot bringt Glück
Es ist der 7. Januar 2026. Um 10.00 Uhr beginnt der Weihnachtsgottesdienst in der Serbisch-Orthodoxen Kirche in der Ruppiner Straße in Berlin-Wedding. Frauen, Männer und Kinder treten aus dem verschneiten Berliner Winter in den warmen Kirchenraum. Von der Empore erklingen feierliche Gesänge, getragen von den klaren Stimmen eines unsichtbaren Chores. Weihrauch liegt in der Luft, als der Priester aus der Ikonostase tritt und die Gemeinde segnet.
Als sich im Mittelgang eine lange Schlange bildet, da jetzt alle zum Altar gehen, um sich vom Priester ein Stück des gesegneten Brotes abzuholen, blicke ich nach rechts. Da sitzt eine junge Frau mit ihren beiden Kindern, etwa zehn und zwölf Jahre alt. Sie halten schmale Kerzen in den Händen. Ich wünsche der Frau „Frohe Weihnachten“ und frage nach dem serbischen Gruß. „Hristos se rodi!“, sagt sie lächelnd – „Christus ist geboren!“. Die Antwort darauf ist: „Vaistinu se rodi!“, „Wahrlich, er ist geboren!“
Wir kommen ins Gespräch. Ihre Familie feiert Weihnachten zum zweiten Mal im Jahr. Die Kinder wurden dafür von der Schule freigestellt, problemlos, wie sie erzählt. Geschenke gibt es ebenfalls zweimal, allerdings kleiner als in Deutschland. Der Weihnachtstag beginnt früh: um sechs Uhr morgens mit einem gemeinsamen Frühstück. Höhepunkt ist ein rundes Weihnachtsbrot, die Česnica, in dem eine Münze verborgen ist. Wer sie findet, hat Glück im neuen Jahr – muss aber sofort eine Arbeit erledigen, damit der Wohlstand auch verdient ist.
Die Frau erinnert sich an ihre Kindheit in einem kleinen serbischen Dorf in Bosnien, 200 Kilometer von Sarajevo entfernt. Ihre Großmutter stand an Weihnachten schon um vier Uhr auf, backte Brot und weckte die Familie im Morgengrauen. Im Haus lag Stroh, darin versteckt Süßigkeiten für die Kinder. Mittags gab es Spanferkel, am Nachmittag besuchte man die Gräber der Verstorbenen.
Heute hat ihr Mann die Münze gefunden. „Meine Oma wusste immer genau, wo sie ist“, sagt sie lachend. „Sie hat das Brot so verteilt, dass immer ein Kind die Münze bekam.“ Und was musste ihr Mann tun? „Ich habe ihm gesagt, er soll erst einmal putzen.“
Inzwischen ist die Schlange kürzer geworden. Fast alle haben ein Stück Brot und den Segen des Priesters empfangen. Die Menschen begrüßen sich herzlich, umarmen sich und wünschen einander immer wieder: „Hristos se rodi.“oder “Srećan Božić“, „Frohe Weihnachten!“
Nach dem Gottesdienst gehe auch ich nach vorn und sehe: Anstelle eines Tannenbaums steht vor dem Altar ein riesiger Eichenzweig, der Badnjak. Auf den Boden wurde Heu und Stroh verteilt, dazu Äpfel, Orangen, Nüsse und ein Blumentopf mit grünen Weizensprossen. Und genau in der Mitte steht das runde kuchenförmige Weihnachtsbrot, die Česnica. Wer wird wohl heute noch die Münze in diesem Brot finden?
Meskelfest in der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche in Berlin
September 2022
Trommeltanz um das Heilige Feuer
Jedes Jahr am 27. September kommen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba tausende vom Menschen zusammen, um das Meskelfest zum Gedenken an die Kreuzauffindung Jesu zu feiern. Es gilt als eines der größten Feste Afrikas. Auch die äthiopischen Diasporagemeinden in Deutschland begehen dieses Fest.
So wurde im Garten der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo- Kirche in Berlin Lankwitz eine Pyramide aus Hölzern und Grasbüscheln errichtet, eingehüllt in ein lilafarbenes Samttuch und geschmückt mit Gräsern und Blumen. Am Nachmittag haben sich zahlreiche Frauen in weißen Baumwollkleidern und Männer in bunten Gewändern auf Bänken versammelt und lauschen den Predigten und Ansagen königlich gekleideter Priester und Diakone. Als die Pyramide angezündet wird, laufen Kinder aufgeregt umher und einige Frauen und Männer stehen auf und beginnen zu trommeln und zu singen. Die Flammen schlagen immer höher, während sich die singenden Frauen und Männer zum Rhythmus der Trommel tanzend um das Feuer bewegen.
Die brennende Pyramide soll an folgende Legende erinnern: Einst hatte die griechische Kaiserin Helena einen Traum, in dem ihr offenbart wurde, wo das Kreuz von Jesus liegt. Daraufhin reiste sie nach Jerusalem und zündete zusammen mit Weihrauch ein Feuer an. Als der Rauch aufstieg und seinen Weg nahm, folgte sie diesem und kam zu der Stelle, an dem das Kreuz lag.
Während das Feuer allmählich kleiner wird, teilen einige Frauen das Meskel-Essen aus, auch dieses erinnert an die Kreuzauffindung und besteht aus dem gesäuerten Brot Injera, Grünkohl, genannt Kitfo, roh serviertem Rinderhackfleisch mit dem Namen Libs, Tibis, gekochten Rinderfleischwürfeln und Ayib, einem speziellen Frischkäse. Am Ende gehen einige Kinder zur Feuerstelle und lassen sich von einem Diakon ein Aschekreuz auf die Stirn malen. Das soll Glück und Segen bringen.
FAQ | Feste im Christentum
Was ist der wichtigste Feiertag im Christentum?
Der wichtigste Feiertag im Christentum ist Ostern, da hier die Auferstehung von Jesus Christus am 3. Tag nach seinem Tod am Kreuz begangen wird. Die Auferstehung Christi spielt vor allem bei den Orthodoxen Christen eine große Rolle, da sie den Sieg Gottes über den Tod symbolisiert.
Welche Bedeutung hat Weihnachten?
Zu Weihnachten wird die Geburt von Jesus gefeiert.
Feiern alle Christen Weihnachten?
Ja, mit Ausnahme der Zeugen Jehovas, die weder christliche Feste noch Geburtstage, auch nicht den Geburtstag von Jesus begehen. Grund: Es ist nicht in der Bibel vermerkt.











